Lockenkopf-Expedition an der Töss – oder: Wie man Gülle elegant umwandert
16 Menschen.
10 Lagotti.
Gefühlt 4000 Locken in Bewegung.
Treffpunkt: Sennhof Winterthur.
Empfangskomitee: Tayfun und Yvette – mit Kaffee und Gipfeli wie zwei gut gelaunte Wander-Gastgeber auf fünf Sterneniveau. Die Stimmung? Erwartungsvoll. Die Hunde? Hochmotiviert. Die Menschen? Koffeiniert.
Die Route wurde kurz erklärt, der Himmel hielt sich noch tapfer trocken – also Leinen sortiert, Rucksäcke gerichtet, letzte “Hast du alles?”-Blicke gewechselt und los ging’s.
Natürlich geschniegelt und geschniegelt – ähm, nein, geschniegelt war später – zunächst liefen alle brav an der Leine. Vorbildlich. Fast zu vorbildlich.
Bis zur ersten Wiese.
Dort offenbarte sich die Realität des Landlebens: Der Bauer hatte frisch Gülle verteilt. Und während die Zweibeiner kollektiv die Nase verzogen, dachten sich die ersten Lagotti:
„Ah! Ein olfaktorisches Erlebnisfeld!“
Zack – mittendrin.
Locken in Euphorie.
Menschen in leichter Panik.
Es folgte eine spontane Kehrtwende, sehr koordiniert, leicht hektisch, aber doch erstaunlich diszipliniert. Also weiter auf der anderen Seite der Töss – mit würdevoller Distanz zur duftintensiven Zone.
Und dann wurde es einfach schön.
Die Töss plätscherte neben uns, das Licht war weich, die Gespräche locker. Einige Lockenköpfe konnten sich natürlich nicht zurückhalten – Wasser ist schliesslich keine Option, sondern ein Naturrecht. Es wurde geplanscht, geschnüffelt, Enten wurden kritisch beäugt (mit gebührendem Abstand, wir sind ja zivilisiert).
Die Nasen liefen auf Hochtouren. Und wenn man dachte, jetzt sei alles beschnüffelt, kam schon der nächste spannende Geruch. Matsch? Hervorragend. Pfütze? Wunderbar. Waldweg? Ein Fest.
Im Wald selbst wurde es dann – nennen wir es – authentisch.
Reichlich Schlamm, kleine Bäche quer über den Weg, rutschige Stellen.
Aber: Die Hunde benahmen sich grossartig. Auch die Rüden. Ein bisschen Imponiergehabe hier, ein kurzer Kontrollblick dort, aber alles im Rahmen. Ab und zu wieder an die Leine, dann wieder entspannt nebeneinander her. Kein Drama, kein Theater. Einfach 10 Lagotti, die zeigen, dass man mit Locken auch Charakter hat.
Nach rund 90 Minuten erreichten wir das Restaurant Eschenberg.
Drinnen: warm, trocken, viel Platz.
Draussen: langsam beginnendes Huddelwetter.
Die Hunde verteilten sich strategisch unter den Tischen. Einige fielen sofort in Tiefschlaf – von 100 auf 0 in Sekunden. Andere beobachteten interessiert das Fondue-Geschehen. (Es roch ja schliesslich hochinteressant.)
Nach der Vorspeise ging es los mit dem gemütlichen Käse-Eintauch-Ritual. Die Zweibeiner genossen, lachten, philosophierten über Hundeerziehung, Lockenpflege, Wanderungen, Alltagschaos – diese wunderbare Mischung aus Fachsimpelei und lockerem Plaudern.
Zwischendurch hob ein Lagotto den Kopf, prüfte die Lage – alles entspannt – und schlief weiter. Es war diese besondere Stimmung, wenn Hunde und Menschen gleichermassen zufrieden sind. Kein Stress, kein Müssen. Einfach Sein.
Am Nachmittag war eigentlich Regen angesagt. Das grosse Huddelwetter blieb jedoch aus. Ein bisschen Nieseln – mehr nicht. Also Jacken zu, Leinen in die Hand und zurück Richtung Parkplatz.
Da es nun eher bergab ging, waren wir in einer guten Stunde wieder zurück. Und ganz ehrlich – nach Fondue ist ein moderater Abstieg genau richtig. Die Hunde drehten nochmal auf: Rennen, schnüffeln, planschen. Noch ein letzter Schlammtupfer hier, ein kleiner Wassersprint dort.
Ich bin ziemlich sicher, dass einige Lockenköpfe zuhause noch Bekanntschaft mit der Dusche gemacht haben.
Und vielleicht auch mit dem Shampoo.
Und vielleicht mit einem etwas längeren Handtuch-Ritual.
Zurück auf dem Parkplatz: müde Gesichter. Zufriedene Hunde. Locken leicht zerzaust. Herzen voll.
Eine kleine Gruppe zog noch weiter für einen Kaffee – weil man solche Tage nicht einfach abrupt beendet.
Es war einer dieser Tage, an denen alles stimmt: Organisation top. Hunde entspannt. Gespräche ehrlich. Natur pur. Ein bisschen Chaos. Ein bisschen Matsch. Ganz viel Freude.
Danke an alle, die diesen Tag möglich gemacht haben.
Und danke an 10 Lockenköpfe, die einmal mehr bewiesen haben:
Gemeinsam unterwegs sein ist das schönste Abenteuer. 🐾
Karin Hunziker